WELTKUNST – Was macht die Kunst?

WELTKUNST – Was macht die Kunst?

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:01: Wie man Orte schaffen kann dafür, ob das jetzt ein Parvillon ist oder ob das das Museum ist.

00:00:06: An dem auch solche Begegnungen stattfinden können von Menschen die vielleicht unterschiedlicher Meinung sind und diese Orte eben aber auch als Orte der Verständigung verstehen.

00:00:18: Aber auch eben als Ort des Diskurses an dem dieser Diskurs auszuhalten ist und stattfinden kann und muss weil wir ja auch sehen wie... in anderen Bereichen einfach diese Verengung der Diskursräume auch aktiv betrieben wird, um solche Orte zu verunmöglichen.

00:00:36: Sagt Kathleen Reinhardt die ich für eine neue Folge unseres Weltkunst Podcasts was macht die Kunst?

00:00:42: getroffen habe?

00:00:44: Kathleen Reinhart ist Kunsthistorikerin Direktorin des Geokolbe-Museums in Berlin das so eben vom internationalen Kunstkritikerverband als bestes deutsches Museum des Jahres zwanzig fünfundzwanzig ausgezeichnet wurde

00:00:57: Und

00:00:57: sie ist Kuratorin des deutschen Pavillones auf der diesjährigen Venedigbienale.

00:01:02: Es ist also ein unglaublich aufregendes Jahr, das du gerade erlebst und ich bin gespannt wie du meine erste Frage beantwortest.

00:01:13: Hallo Lisa!

00:01:14: Was macht die Kunst?

00:01:15: Das ist eine sehr große Frage und natürlich wie du schon gesagt hast in diesem Jahr für mich hat es auch nochmal ganz besondere Relevanz weil ja nicht nur Venedig im großen Fokus steht und diese ganz wunderbare Eröffnung, die wir trotzdem hatten.

00:01:29: Sondern natürlich auch das Gjörg Köln Museum, das eben ausgezeichnet wurde als Museum des Jahres – was uns als wirklich kleine Institutionen extrem freut!

00:01:39: Also wirklich jahrelanges Machen und Tun.

00:01:42: Und doch hineinbuttern natürlich auch, einfach Früchte trägt.

00:01:47: Dass das gesehen wird, dass wir diese Anerkennung erfahren als Institutionen.

00:01:51: Sie sich ja auch schwierigen Themen nicht verwehrt.

00:01:54: Dass die Besuchenden sich eben auch nicht scheuen mit uns gemeinsam etwas komplexere Themen anzugehen.

00:02:02: Es ist ein ganz besonderer magischer Ort.

00:02:05: Nicht nur weil es das ehemalige Atelier- und Haus von Georg Holbe ist historisches Erbe in sich trägt, sondern weil es ja auch ein wunderbares Café gibt.

00:02:14: Weil hier eine tolle Baumlandschaft gewachsen ist, Skulpturngarten draußen – also das ist wirklich ein ganz toller Ort.

00:02:20: und wie du sagst diese schwierigen Themen die ihr als Team angeht, es ist trotzdem ein ästhetischer Genuss herzukommen, weil auf diese ganz besondere Art verwoben wird.

00:02:33: Die politischen auch die sperrigen Themen, die schwierigen Auch eine Schönheit, die auch Teil davon ist.

00:02:41: Das finde ich immer besonders hier.

00:02:42: Ja das ist glaube ich genau was den Ort ausmacht.

00:02:46: also wir sind ja wirklich in einem ehemaligen Wohnhaus im ehemalligen Atelier.

00:02:50: Haus Georg Kolber hat sich diesen Orten und so ein Achtundzwanzig auf dem Höhepunkt seiner Karriere natürlich gebaut.

00:02:58: Und für mich stellt sich immer die Frage passiert an einem Ort, der auch Genuin für das Schaffen von Kunst überhaupt erdacht wurde.

00:03:08: Von einem Künstler selbst!

00:03:10: Was können wir heute daraus ziehen?

00:03:14: Wie können wir uns heute zu diesem Ort verhalten?

00:03:16: Wie kann dieses Kleinort, was du ja auch so schön beschrieben hattest.

00:03:22: Was kann man hier an komplexen Themen angehen?

00:03:25: Was kann aber auch immer wieder diese Balance schaffen?

00:03:30: Weil unser Leben ... trotz natürlich dieser ganzen doch sehr bedrückenden politischen Umstände, in denen wir ja auch sind im Weltgeschehen.

00:03:40: Was kann uns diese Ort geben und was kann dieser Ort als Ort für Gemeinschaft sein?

00:03:46: Und ich glaube, diese Balance zwischen einem gemeinschaftlichen Angehen von Themen, einen gemeinschaftlichem Neugier, dem man bestimmten Themen gegenüber hat oder aufbringen kann – Auf der einen Seite auch ein bisschen so ein Rückzug und so eine Vertiefung in Themen.

00:04:03: Das bietet natürlich dieser Ort, der ja ein bisschen außerhalb auch vom Zentrum ist – aber es ist eben auch ein Ort der Gemeinschaft!

00:04:09: Und ich glaube gerade diese Waage zwischen Beidem ist das, was das Museum hier auszeichnet und was auch diese Konzentration ausmacht, die man einfach hat.

00:04:20: Es ist kein Museum, kein Ort an dem man einfach mal reinschneidet, schnell die Ausstellung mitnimmt und dann sofort wieder zum nächsten Eilt, sondern man ist da schon ein bisschen länger.

00:04:31: Man fährt hier raus.

00:04:33: sieht diese Ausstellung an.

00:04:35: Man hat vielleicht auch nochmal ein Getränk im Café und bringt vielleicht auch noch mal Leute her, an diesem wirklich besonderen Berliner Kunstort weil wir das tatsächlich einzig zugängliche Atelier der Zwanzigerjahre sind Und das geht natürlich mit einer gewissen Verantwortung her auch der Pflege des Hauses, des Grundstücks.

00:04:56: Also da ist man nicht nur bei den Inhalten der Ausstellungen natürlich sondern es hier einfach schon sehr beschäftigt, das alles natürlich auch zu erhalten.

00:05:07: Weil es eben auch wirklich ein herausragender Ort der Moderne ist.

00:05:11: Es ist eben nicht ein Bau den Kolbe sich hat hier hinsetzen lassen von einem der Architekten mit denen er immer wieder zusammengearbeitet hat ob das Gropius ist oder ob das Mies van der Rohe sondern es ist einfach ein Ort, den er selbst auch mitgestaltet hat.

00:05:28: Und Ernst Rentsch der Architekt wollte hier eigentlich ein ganz anderes Haus bauen und man sieht eben durch Kolbes Eingriffe, durch seine Erfahrung natürlich auch mit Architekten zusammenzuarbeiten, auch wie seine Kunst in dieser modernen Architektur wirkt.

00:05:42: Hatte hier wirklich etwas ganz ganz besonderes geschaffen und heute ist es eben das Museumsgebäude auf der einen Seite und dann auf der anderen Seite das Café-Gebäude wo eben auch unsere Bibliothek untergebracht ist die Kolbe-Bibliotheke in der eben auch sehr viele Forschende zu Gast sind dass alles natürlich geraumt von diesen ganz wunderbaren Skulpturgarten

00:06:04: Und wir sitzen hier in deinem Büro.

00:06:06: Was war das früher?

00:06:07: Das

00:06:07: Büro ist tatsächlich heute, also ich bin umgeben eigentlich wirklich von der Kolbebibliothek.

00:06:13: D.h.,

00:06:13: die besteht auch aus unterschiedlichen Teilen.

00:06:15: Das sind Bücher einmal von Kolbe selbst aber auch von seiner Frau Benjaminer nachdem ja das Café benannt ist... und auch zum großen Teil von seiner Enkelin Maria von Tiesenhausen, die tatsächlich die zweite Direktorin des Hauses war.

00:06:30: Also es ist wirklich so ein Rundumschlag der deutschen kunsthistorischen Literatur eben wirklich von Kolbis anfängen.

00:06:39: also wir sprechen hier so von nineteen hundert aber auch Bücher eben noch davor bis dann auch in die sechziger Jahre

00:06:47: hinein.

00:06:47: Jetzt ist dein Name in der Presse vor allem dieses Jahr natürlich durch die Venedig-Bianale, ein Fettenbuchstaben aufgetaucht.

00:06:55: Ich

00:06:55: war als ich auf der Bienale war im Mai sehr beeindruckt, als ich diese Allee entlang gekommen bin in den Giardini und dann schaut man nach rechts auf den deutschen Pavillonen und da steht auf einmal einen Plattenbau.

00:07:07: also das ist schon ein sehr sehr beeindruckender Anblick!

00:07:12: Die Künstlerin zum Tieu hat Diese Idee gehabt, wie habt ihr die verwirklicht?

00:07:16: Es ist ja auch eine ganz originelle Art.

00:07:18: Mit der Technik, die da angewandt wurde, auch einer Art, die zu Venedig passt... Wie kam es dazu?

00:07:23: Also wir hatten natürlich gleich am Anfang ... besprochen, in welche Richtung das gehen kann.

00:07:27: Auch natürlich mit beiden Künstlerinnen, mit Enrique Nahme und mit Sontieu was sie bespielen wollen, was wir überhaupt auch aussagen möchten natürlich mit diesem Pavillon.

00:07:37: Und Sontieux hat wirklich also am Anfang diese Idee lanciert, was wäre wenn dieser Pavillon ein Plattenbau wäre?

00:07:48: Und wir haben da ganz unterschiedliche Ideen auch in dieser Materialität gehabt am Anfang natürlich.

00:07:53: Es ging ihr eben vor allem aber auch nicht darum große Umbauten zu leisten, sondern und das ist ja auch das wirklich Spannende bei diesem Motiv der Pavillon wie wir natürlich als diesen deutschen Evergreen möchte ich Ihnen bezeichnen wissen wurde in uns hat umgebaut eben in einem faschistischen Stil der Zeit Und seitdem arbeiten sich selbstverständlich viele Kunstschaffende daran ab, mit diesem Gebäude umzugehen.

00:08:23: Mit dieser Hülle umzugehnen und wir hatten da ja schon einige Vorschläge natürlich von dem Ausgraben, vom Aufreißen des Bodens, von den Ideen das Versetzen, das Verspindenlassens.

00:08:34: Und zum Tür arbeitet er wirklich aus diesen Gedanken heraus.

00:08:38: was ist es wie ist es neu in einem Land zu sein indem man nicht willkommen auch ist?

00:08:43: Und das war für mich natürlich auch ein ganz wichtiger Ausgangspunkt.

00:08:47: Für die Fragen, die dieser Pavillon stellt und dieses System, dieses natürlich dieser faschistische Bau fordert dann natürlich auch andere Fragen, andere Antworten immer wieder von den Kursschaffenden heraus Und diese wirklich Stockwerke des Plattenbaus, die uns ja dort entgegen streben.

00:09:06: Aber auch ganz unterschwellig eigentlich erst zum Vorschein kommen.

00:09:10: Das war was, was zum wirklich gleich am Anfang setzen wollte.

00:09:15: Die Umsetzung war die große Herausforderung welche Materialien?

00:09:20: Sie war auch inspiriert natürlich von dem Motiv der Sonnenblumenhauses in Rostock-Licht-Nagen.

00:09:28: die Pogrome, die sich in Rostock-Lichtnagen zugetragen haben.

00:09:33: In dem eben auch Wohnheime von ehemals viren Amisoschen Vertragsarbeiterinnen aber auch anderen Asylsuchenden attackiert wurden und vor allem aber auch – das ist ja der springende Punkt – nicht nur attackiert worden eben von einem Neonazimob und von Menschen, die angereist sind aus der Nachbarschaft sondern diesen Rückzug der Staatsgewalt und dieses Nichtziehen können, eben auf einen gleichwertigen Schutz.

00:10:01: Und das ist natürlich auch in unser Gedächtnis eingebrannt gerade aus dieser Generation heraus die im Osten lebte, aufgewachsen ist und umgehen musste selbstverständlich damit aber auch mit dieser Normalisierung von rechten Gedanken gut wie wir es selbstverständliche heute sehen müssen.

00:10:25: Und das Sonnenblumenhaus ist eben mit einem großflächigen Fliesen-Mosaik übersät.

00:10:33: Und Zungen war es aber auch sehr, sehr wichtig, auch lokale Traditionen anzusprechen und zu überlegen welche natürlich kunsthistorischen Techniken verwendet wurden.

00:10:44: also immer dieses Spiel zwischen Zeitlichkeit und innerzeit sein, aber auch einer Zeitlosigkeit die natürlich die Kunst immer versprüht und versprühen muss wenn sie gut ist Und hier ist sie dann eigentlich auch relativ schnell eben in Richtung Mosaik gewandert, auch im Materialrecherchen.

00:11:06: Weil natürlich die Technik das Mosaic eigentlich sehr einzigartig auch überhaupt erlaubt, in eine Tiefe zu gehen.

00:11:13: Und wir sehen ja dieses Motiv also dass von eben einer Fotografie abgewandelt wurde, in Mosaik umgesetzt wurde, eben in dieses hochwertige Marmor Material – das ist ja auch nochmal ein ganz wichtiger Aspekt dieses Werks – diese Aufwertung auch, die hier passiert und eben diese Überlagerungen von einem System, Unrechtsystem auf ein anderes Unrechtssystem hier eben mit diesem Plattenbau und dem Wohnheim.

00:11:37: Das ist einfach etwas, was zum Beispiel sehr wichtig war.

00:11:39: Und natürlich der Titelarbeit Die Würde des Menschen ist unantastbar die wirklich Artikel eins auch das Grundgesetz ist zitiert.

00:11:47: Ist da schon sehr richtungsgebend, möchte ich sagen?

00:11:50: Wenn man es sieht, sieht man Graffiti wenn man dann nah ran geht.

00:11:54: Sieht man Es ist ein Mosaik dass diese Graffiti Markierungen nach der Fotografie rekreieren in Mosaik.

00:12:02: Das ist für mich eine ganz erstaunliche Erfahrung, dass weit weggehen und das Anderssehen, das erkennen wenn man dann nah dran ist.

00:12:10: Und natürlich diese Gedanken die man sich macht... Die Ausstellung im Pavillon heißt Ruin oder auf

00:12:16: Englisch Ruin.

00:12:17: Das Bedeutungs-Unterschied also

00:12:20: Ruinen

00:12:21: auf Deutsch heißt Verderben während Ruin auf englisch Ruine heißt eine archäologische Komponente oder so eine historische Dimension mit hineinbringt.

00:12:33: Jetzt ist es bei genau, bei dem Gebäude auf das Sontieu sich bezieht geht's ja um eine Ruine denn das Haus in dem sie groß geworden ist nicht mehr bewohnt und verfällt.

00:12:43: Wie kam es zu diesem Titel Ruin der für alles steht was dort zu sehen is auch Henrique Naumann?

00:12:48: Ja... Und zwar eben gerade auch diese ganze Diskussion in den Titeln natürlich sehr zentral.

00:12:57: Das ist ja klar, dass wenn man auf so einer großen Weltbühne eine Ausstellung plant und umsetzt vor allem aber auch für ein sehr breites Publikum das dort natürlich dieser Ausstellung sieht.

00:13:10: also ich glaube Bei der vergangenen Venedigbinale waren es über siebenhunderttausend Menschen, die die Ausstellung gesehen haben.

00:13:17: Die natürlich auch mit ganz unterschiedlichen Vorwissender ankommen, mit ganz verschiedenen Zugängen, die sich zur Kunst geschlagen haben und das Fachpublikum ist ja auch nur ein ganz kleiner Teil, der das sieht.

00:13:29: Und das war für mich natürlich auch spannend wie man gerade eben ein ganz breites Publikum hier mitnimmt in eine sehr spezifische Thematik, die wir aufgemacht haben Und das aber dann auch unter ein bisschen allgemeinere Trends der Gegenwart zu stellen.

00:13:47: Und Ruin und du hast es eben schon angesprochen, hat eben auch so eine sehr schöne... also besitzt für mich einfach auch so ne sehr schöne semantische Plastizität.

00:13:58: Und die Ruine Romantik, das Ruin Motiv hat selbstverständlich die deutsche Kunstgeschichte, auch für das deutsche Selbstverständnis von Nationen einen ganz bestimmten Stellenwert.

00:14:08: Also wir fangen vielleicht natürlich bei Casper David Friedrich an und eben dieses Hineinarbeiten auch des Ruinmotivs in eine Bildlandschaft oder auch ein nationales Verständnis was aber auch gekoppelt ist natürlich an eine revolutionäre Bewegung.

00:14:27: also wir sehen uns ja auch die Romantiker im Hinblick auf Und das war für mich eben auch nochmal sehr interessant zu sehen, wo... Und wann fanden Umbrüche statt?

00:14:41: Zeitliche umbrüchen.

00:14:41: Eben neunundachtzig, selbstverständlich der letzte Umbruch aber vielleicht auch zweitausendeins natürlich mit dem World Trade Center ein weiterer Umbrug in unserer Zeitgeschichte.

00:14:52: und ich glaube gerade in diesen Umbruchen der Zeitgeschichten sind ja beide Künstlerinnen auch extrem zu Hause und das sind ja Dinge die sie beschäftigen.

00:15:00: und genau dieses vor- und zurück immer zwischen eben einer Ruinenromantik eine Nostalgie vielleicht die man so etwas entgegenbringt, aber auf der anderen Seite eben auch diesen harten Realitäten, die das bedingen.

00:15:13: Diese Plattenbau-Ruine, also der größte Wohnkomplex für Vertragsarbeiterinnen in der ehemaligen DDR war – in der Gernseestraße heute Ruine ist selbstverständlich ab diesem Zeitpunkt, ab dem keine Menschen mehr darin wohnen.

00:15:31: ein ganz großes Spekulationsobjekt geworden.

00:15:33: Also spricht sehr viel auch zu unserem heutigen Sein in Berlin als gentrifizierte Stadt und das war für mich eben auch noch mal wichtig, dass zusammenzubringen, das in einem Titel vielleicht so fassen, im Titel der eben auch wirklich Englisch auf Englische funktioniert, auf Deutsch funktioniert, den aber viele verstehen können, deren Muttersprach nicht englisch ist.

00:15:57: Und das muss man ja auch noch mal im Hinterkopf behalten, dass wir natürlich in der Kunstwelt immer mit Englisch umgehen und handieren aber die wenigsten eigentlich natürlich auch Mutterspahlerinnen sind.

00:16:11: Das ist ja auch gerade das was es nochmal ausmacht!

00:16:15: Und es ist sehr cool, dass das ein Titel mit nur vier Buchstaben ist.

00:16:18: Also da muss man erst mal drauf kommen?

00:16:20: Ja!

00:16:23: Jetzt gehen wir hinein in den Pavillon und erstmal kommt dieses giftige Grün auf einen zu.

00:16:31: Das ist eine Farbe die auch eine ganz bestimmte Bedeutung trägt aber die sich nicht jedem sofort erschließt der vielleicht in diesem Kulturkreis nicht zu Hause ist.

00:16:41: was bedeutet genau dieses Grün?

00:16:44: Ja, also es ist ja sehr schön wie wir uns jetzt gerade angenehrt haben auch an diesem Pamir und auch diese Vor- und Zurückbewegung die er schon beschrieben hat das eben auch dieses Erkennen nicht erkennen des Motivs.

00:16:56: Ist ja auch immer sehr schön.

00:16:57: wenn man zurücktritt sieht man Dinge ja auch öfters etwas deutlicher und dass machen hier auch beide Künstlerinnen in ihrer Arbeit diesen dieses zurücktreten aber dann dieses vollkommen hineingeben mal so bezeichnet, dass zum Tür das Haus gebaut hat.

00:17:15: Dass Henrike Nahmann dann reingerichtet hat mit ihren großformatigen Möbelinstallationen aber gerade diese Wandfarbe ist natürlich auch das sehr dominierende im Pavilion.

00:17:27: Das ist ein giftiges Grün an Mintgrünen.

00:17:30: So kann man es vielleicht beschreiben.

00:17:32: Und dieses Grün erinnert tatsächlich sehr viele Menschen, die in der ehemaligen DDR groß geworden sind.

00:17:39: Vielleicht die DDR auch noch miterlebt haben aber vor allem und das war eben auch das Schöne, das zu erkennen und da auch zu öffnen.

00:17:47: Sehr viele Menschen aus Osteuropa erinnert diese Farbe wirklich an offizielle Gebäude auch.

00:17:52: Diese Farbe wurde genutzt in Amerika-Kasernen tatsächlich der Sowjet... Armee im Ostblock und in Zentral- und Osteuropa.

00:18:02: Also es ist sehr vielen vertraut, die eben Werdienstleisten geleistet haben.

00:18:07: Und auch ab den neunzigjährigen wurden die Überreste dieser Farbe sehr viel genutzt um offizielle Gebäude, ob das Polykliniken waren oder Schulen.

00:18:18: Um ihnen einfach so einen Nutzanstrich zu geben.

00:18:21: Da haben mich viele Künstlerinnen und Kunstschaffende angesprochen während der Eröffnungstage gerade aus Polen aber auch aus dem ehemaligen Jugoslawien, die es sehr verorten konnten.

00:18:36: Wow, endlich macht der Deutsche Parvillon auch mal auf und sieht diese Geschichte.

00:18:43: Und das ist glaube ich mit dieser grünen Farbe die ja wirklich so ein All-over Mantel bildet in dieser Installation von Herrn Riecker sehr gut gelungen.

00:18:55: Trigg hat ja auch ganz viele Emotionen.

00:18:57: Und das ist ja auch nochmal wirklich eine sehr herausragende Eigenschaft von beiden Künstlerinnen, dass sie eben mit diesen Installationen so ganz unterschiedliche Emotion darauf beschwören können im positiven und negativen Sinne.

00:19:17: Das ist glaube ich sehr gut gerade durch diese Farbwelt, die man dann schreitet gelungen.

00:19:24: Beide Künstlerinnen

00:19:27: haben

00:19:27: in ihrer Geschichte schon mit Möbeln gearbeitet, mal mehr, mal weniger.

00:19:32: Also bei Sontieu ist jetzt der Möbe-Aspekt nicht so groß im Pavillon.

00:19:38: Bei Henrique Naumann sehr groß.

00:19:40: Wie kam es zu der Konstellation?

00:19:43: Es war tatsächlich ein neuer Auswahlprozess, der gestartet wurde Und es wurden eben Kuratorinnen eingeladen, eine Ausstellung vorzustellen die sie sich im deutschen Parvignon vorstellen können.

00:19:57: Die sehen dort und man musste tatsächlich schon relativ fest mit den künstlerischen Positionen diese Ausstellungen beschreiben und gestalten.

00:20:08: Ich habe dann beide angesprochen.

00:20:10: ich habe Henrike angesprochen, ich habe Sung angesprochen ob Sie sich das vorstellen könnten eben gemeinsam mit mir als Trio loszulegen und diesen Pavillon auch zu zähmen, möchte ich mal sagen.

00:20:26: Und sie haben zugesagt wir haben dann auch ganz fleißig an einem ersten Konzept gearbeitet.

00:20:32: das ist natürlich auch relativ hypothetisch so einen frühen Zeitpunkt da schon in die Details gehen zu können.

00:20:40: Und dann habe ich es vorgestellt und die Jury, ja, fand das gut.

00:20:46: Und hat uns drei auf diese Reise geschickt.

00:20:49: Super!

00:20:50: Es ist ein fürchterlicher Schock gewesen für die Kunstwelt als Henrike Naumann tragisch jung gestorben ist.

00:20:57: Da waren die Überlegungen schon sehr weit.

00:20:59: Sie hat wahrscheinlich alles so bestimmt wie es umgesetzt wurde... Zweifel, dass es überhaupt möglich wäre.

00:21:06: Wie viel Zeit hattet ihr dann noch um über diese Realisierung ihrer Pläne zu sprechen und das in die Wege zu leiten?

00:21:13: Ja also das war für uns alle glaube ich, ob innen oder außen einfach ein unglaublicher Schock und das ist auch ein Schock der... Ich möchte mal sagen lange nicht vergeht.

00:21:28: Weil das etwas ist, was wirklich aus dem Nichts gekommen ist auf eine gewisse Art, weil es ja dann doch sehr schnell ging und für uns auch als Team, als künstlerisch-kuratorisches Team saß es sehr tief, sitzt immer noch tief.

00:21:45: Das ist natürlich klar wie man mit Trauer umgeht.

00:21:48: Es ist für alle auch sehr individuell und das haben wir jetzt auch gesehen in den letzten Wochen und Monaten.

00:21:55: Und für uns gab es aber überhaupt keinelei Fragen, ob das umgesetzt werden kann soll.

00:22:02: Sondern es musste umgesetzt sein und nicht nur für Henry genommen sondern einfach auch wirklich für das ganze Projekt, aber vor allem für den Parvillon und die historische Relevanz dieser Parvillons besitzt.

00:22:21: also bis zum Schluss gearbeitet, Instruktionen gegeben.

00:22:26: Also wirklich auch mit ihrem Studio-Team die Unglaubliches geleistet haben gerade in dieser Zeit.

00:22:34: bis zu den letzten Tagen an diesen Werke arbeitet.

00:22:38: Und gerade diese Verantwortung natürlich auch zu haben, diesen Parvillon dann damit zu eröffnen – das war für uns alle natürlich für dieses Team von Henrike, für Sunktschü, für mich natürlich auch ein unglaublich... bewegende und sehr emotionale Zeit.

00:22:58: Das zu zeigen, auch gerade diese Komplexität die ja auch die Arbeiten von Henrike immer in sich tragen.

00:23:05: also das ist ja eigentlich... das was man sieht ist ja sozusagen nur diese Spitze des Eisbergs der Forschung und

00:23:13: auch

00:23:14: die Lecture-Performances die sie auch begonnen hatte.

00:23:18: da kommt es ja wirklich noch mal diese ganze Dimension auch ihres künstlerischen Denkens zur Tragweite.

00:23:26: das sozusagen zu präsentieren, ohne sie war natürlich einfach für uns ein... ein ganz großes Päckchen zu tragen.

00:23:35: Und hier ist natürlich auch eine ganz wichtige Person, Clemens Willinger, ihr Partner, ihr Mann der mit ihr diese kreative Symbiose über zwei Jahrzehnte eingegangen ist.

00:23:50: und Clemens konnte hier sehr gut und wusste genau was hier noch gefehlt hat in welche Richtung man vielleicht nochmal denken kann.

00:24:00: Das ist ein wunderbares Studioteam, die wirklich auch jahrelang mitten Rieke gearbeitet haben.

00:24:05: Die einfach ihre Ästhetik verstehen und ganz genau wussten, das findet sie jetzt gut.

00:24:10: Das würde sie auf keinen Fall unterstützen!

00:24:13: Also das waren ja alles so kleine Stellschrauben, die dann in dieser forminanten Arbeit zusammengekommen sind.

00:24:21: Vieles ist bestimmt im Atelier in Berlin entstanden.

00:24:25: Wie war das ihr seit letztes Jahr aber noch zusammen nach Venedig gefahren?

00:24:29: und du warst ja sowieso monatelang in Venedik oder wie kann man sich das vorstellen als Kuratorin?

00:24:35: Man ist dann bis kurz vor Eröffnung.

00:24:38: Dauereinsatz ist es so, dass man die Kuratoren der anderen Pavillon schon kennt.

00:24:43: Weil man da morgens hin pilgert wie zu einer Arbeitsstätte.

00:24:45: oder wie kann man sich die Monate vor der Bienaler Eröffnung vorstellen?

00:24:51: Und wann bist du dann abgereist?

00:24:52: Wann bist du wieder nach Berlin gekommen?

00:24:54: Ja also das hört sich jetzt total romantisch an, so wie du das beschreibst und so hätte ich's mir natürlich auch gewünscht.

00:25:01: aber man darf ja auch nie vergessen beim deutschen Pavillon vor allem gerade die die kuratierenden auch immer noch eine Institution haben und der Pavillon sozusagen, der zweite Job ist.

00:25:15: Die zweite Schicht wie man so schön sagt Und das war natürlich auch eine große Herausforderung, gerade eben bei doch einer kleineren Struktur in der Institution wie dem Geokolbe-Museum.

00:25:28: Ich glaube wir waren neben der GFZK in Leipzig tatsächlich die kleinste Institution, die das mitgetragen hat und das darf man ja nicht vergessen.

00:25:38: Also da kommen ganz viele verschiedene Stränge zusammen.

00:25:41: Wir haben einmal natürlich die Studiotheams der Künstlerinnen, die natürlich monatelang auf die Realisierung dieser Arbeiten hinarbeiten.

00:25:50: Dann hat man vor Ort natürlich diese Produktionsteams, die dann eben auch von beiden Studios gestellt werden und beauftragt werden um die Arbeit tatsächlich in Venedig vor Ort umzusetzen.

00:26:03: Und dann nochmal so ein bisschen übergeordneter Schirm ist natürlich auch die architektonische Betreuung Büro vor Ort ganz wichtig, aber eben auch die Produktionsleitung.

00:26:15: Das hat immer mehr Katharina Heise übernommen und hier hatten wir einfach auch ganz fantastische Teams, die das umgesetzt haben.

00:26:22: ob dass das grandioso Mosaik ist natürlich, ob das diese All-over Installation auch von Henrique ist in also es sind wirklich Produktionsstudios auch wissen, was sie tun, die genau von den Künstlerinnen auch gebrieft sind und eben ganz genau diese Umsetzung ausführen können.

00:26:45: Der Papio war eingerüstet eigentlich seit Januar und wir haben eine Punktlandung geschafft.

00:26:51: also in der professionellen Vorbesichtigung wurde am Montagmorgen das Gerüst abtransportiert.

00:26:58: Also auch wir haben wirklich lange darauf warten müssen alles komplett fertig zu sehen.

00:27:06: Aber meine Wochen vor Ort waren natürlich auch ... ganz wunderbar.

00:27:11: Also man hat natürlich einen ganz, ganz schönen Arbeitsweg in Venedig dann natürlich auch in den Jardini, also alle sind am Werkelen.

00:27:20: Ich hätte gedacht es ist so ein bisschen offener dass die Türen der Pamiosen ein bisschen öfter stehen.

00:27:25: Also bei einigen Kollegen war das natürlich so aber einige waren wirklich sehr für sich und haben die Türe zugemacht gab es natürlich ganz unterschiedliche Herausforderungen auch, die alle hatten.

00:27:39: Und das ist dann natürlich immer schön.

00:27:41: zusammenzukommen noch mal auf so ein kleines Getränk nach dem Feierabend und sich seine Sorgen zu klagen, möchte ich mal sagen.

00:27:51: Es war wirklich auch eine sehr schöne Rückkehr für mich in meiner Minute.

00:27:57: Wenn man jetzt an November denkt wenn alles wieder abgebaut wird... Da habe ich mich sehr über die Nachricht gefreut, dass ein Teil dieser Mosaiken von Sontieu nach Potsdam wandern werden und festinstalliert werden am Minsk.

00:28:12: Was zum Museum Barbarini gehört.

00:28:14: Gibt es auch Pläne für weitere Teile?

00:28:16: Können andere Museen sich auch bewerben um einen Stück vom deutschen Pavillon von Sondieu?

00:28:22: Ja

00:28:23: natürlich!

00:28:23: Also wir waren wirklich auch sehr glücklich das dieser Ankauf von Minsk auch so unterstützt wurde, so initiiert wurde, möchte ich mal sagen.

00:28:35: Wir hatten Anna Schneider und Daniel Milnes eingeladen und sie natürlich schon etwas eingeweiht.

00:28:42: zum Tür hatte sie dann wirklich angeführt in ihre Pläne, in die Umsetzung was es bedeutet diesen Plattenbau als Motiv nach Venedig zu transferieren was das natürlich auch in der Kunstgeschichtsschreibung bedeuten wird.

00:28:59: Und dieser Ankauf ist wirklich ganz fantastisch und herausragend, weil auch wo es angebracht werden soll.

00:29:08: Auf der Außenfassade das Minsk, dass ja auch ein Bau der Ostmoderne in Potsdam ist und auf so einem Hügel thront also... in unmittelbarer Lauf näher eigentlich vom Bahnhof und da ja auch sehr viel in Bewegung ist drum herum.

00:29:23: Und wir werden natürlich glücklich, wenn noch weitere Teile dieser Fassade eben auch in Sammlungen kommen um diesen Moment zu würdigen und für die Nachwelt zu bewahren und diese ganzen Fragen und Diskussionen, die dieses Werk anstößt, auch in anderen Teilen und in anderen Museen diskutiert werden können.

00:29:48: Ich kann mir vorstellen, dass ein Potsdam Platz für eine... ein großes Stück ist.

00:29:52: Wie klein dürfen denn die Stücke sein, die man erwerben kann von dieser Fassade?

00:29:56: Ich

00:29:56: glaube, die kleinsten Stücke sind einmal zwei Meter wenn ich richtig liege weil wir ja auch einen ganz wunderbaren Unterstützer in den Kreis hatten der sozusagen vorab schon unterstützt hat eben indem es auch Teile eben dieser fassade gab die erworben werden konnten um finanziell dieses Werk ermöglichen zu können?

00:30:23: Notmachterfinderisch.

00:30:26: Einmal zwei Meter ist schon Wohnzimmerformat, da kann ich mir gut vorstellen ... dass alles irgendwo ein neues Leben bekommt von diesem

00:30:34: Teil.

00:30:35: Wir hatten tatsächlich auch einen Unterstützer, einen Sammler der eine Wohnung in einem Plattenbau hat und sich schon wirklich sehr freut darauf wie das im Wohnzimmer aussieht.

00:30:48: Ich würde gerne noch mal den Bogen spannen hier zurück nach Berlin.

00:30:50: Du hast lange auch Kuratorin in Dresden für Gegenwart im Albertinum.

00:30:56: Jetzt seit Zweiundzwanzig bist du Direktorin hier im Kolbemuseum.

00:30:59: ich bin auch fasziniert von der Ausstellung, die jetzt gerade noch bis Ende Juli läuft.

00:31:03: Also Marlowe Moss eine Konstruktivistin, die gar kein riesiges Erbre hinterlassen hat aber die hier wirklich zu entdecken

00:31:11: ist.

00:31:11: Ganz wunderschöne Ausstellung.

00:31:13: und eine Ausstellung auch die biografisch total interessant ist, aber ästhetisch auch umwerfend ist und wunderschön in dem Atelier aufgebaut is'.

00:31:21: Was

00:31:21: kommt denn danach?

00:31:23: Was steht als nächstes hier auf dem Plan im Colbert Museum ?

00:31:27: Ja also Du hast es ja schon angesprochen gerade mal um Mos noch in den letzten Wochen und das ist auch so ein bisschen wie wir arbeiten, möchte ich mal sagen.

00:31:37: Also Elisabeth Maschke, Lucy Howard haben hier wirklich eine ganz fantastische Kolbemuseum-Ausstellung realisiert.

00:31:45: uns liegt es ja auch vor allem daran nochmal so ein bissel unentdeckte Positionen vielleicht wieder zu zeigen nochmal vielleicht auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten die auch oft aus der Kunstgeschichte etwas rausgefallen sind oder auch ausgeschrieben wurden, hier noch mal eine ganz andere Bühne zu bieten und immer wieder dieses Einladen von zeitgenössischen Positionen hier zu reflektieren.

00:32:11: Was war aber vor allem auch zu imaginieren was sein kann?

00:32:15: Und die nächsten Ausstellungen, die eben kommen werden, sind einmal die Ausstellung, die im August eröffnen wird Everybody.

00:32:22: Der Titel bezieht sich auf ein Buch von Olivia Lang Everybody A Book About Freedom In dem Olivier Lang eben anhand auch von einem historischen Motiv, von Wilhelm Reich.

00:32:33: Also jemanden der in den zwanziger-dreißiger Jahren sehr aktiv war, andere Körperformen gesucht hat aber auch vor allem Körper durch... ihre Freiheit durch ihren individuellen Drive, möchte ich mal sagen auch auf der Suche nach unterschiedlichen Formen des Genders.

00:32:54: Der Sexualität untersucht hat.

00:32:57: und in der Ausstellung werden zeitgenössische künstlerische Position sich eben auch mit Freiheit und Freiheit das Körpers beschäftigen weil wir ja im Kolben Museum auch immer wieder diese Fragen um den Körper stellen also Körper im Raum natürlich Kolbe als figurativer Bildhauer, der eben durch diese ganzen unterschiedlichen Epochen ganz unterschiedliche kleinste Variationen an Körperbildern vorgenommen hat.

00:33:22: um sie eben in diesen Zeitgeschmack der damaligen Zeit immer wieder einzufügen, immer wieder relevant zu machen.

00:33:28: Und das sind natürlich auch Fragen die wir stellen und gerade mit dieser Ausstellung, in der auch Positionen natürlich wieder Auftragswerke errealisieren werden also dass ist eben auch ganz wichtig, dass wir diesen Ort als Ort der künstlerischen Produktion verstehen und hier eben neue Arbeiten entstehen können, auch durch eine junge Generation die sich aber dann natürlich mit älteren Position immer wieder verhält.

00:33:55: Dann wird es noch mal eine eher klassische Ausstellung geben, auch über den Winter.

00:33:59: Also wir werden Zeichnungen aus der Sammlung präsentieren und das Museum wird zu einem großen Zeichenatelier auch.

00:34:07: also die Besuchenden sind auch eingeladen aktiv zu werden mitzuzeichnen weil wir das natürlich feststellen mit unseren vielen Outreach-Programmen dass Menschen einfach sehr interessiert sind natürlich selbst künstlerisch tätig zu werden.

00:34:21: Kommen denn Frühjahr tatsächlich, das wird unsere Frühjahiersommerausstellung.

00:34:25: Werden wir eine große Einzelausstellung über Gerd Rohling.

00:34:30: mit Gerd Rohling zusammen entwickeln?

00:34:32: Oh fantastisch!

00:34:33: Ich bin ein großer Fan von Gerd Rothling.

00:34:37: Das ist ja eben auch gerade das was wir auch oft machen.

00:34:40: ich glaube sehr viele so Artist-Artists werden im Kolbenmuseum nochmal gezeigt noch mal neu entdeckt Und ich glaube, wir freuen uns ja alle auch auf Gerz.

00:34:51: Fantastische Skulpturen!

00:34:52: Super, super.

00:34:54: Aber jetzt habe ich doch noch eine Frage.

00:34:55: Ich denke mal das hat mit everybody zu tun.

00:34:59: als ich durch den Garten kamen sind einige Skulptur von Georg Kolbe, Bronzen und nackte Figuren die in der im Garten stehen waren teilweise mit Leder eingekleidet.

00:35:11: Das sah toll aus ganz sinnlich, ganz verwirrend auch weil Leder so ein lebendiges Material ist und die Branche dagegen so hart.

00:35:20: Da kamen noch lauter Formen heraus, die ich in der Branche gar nicht so in ihrer Feinheit gesehen hatte.

00:35:27: Was hat es damit auf sich?

00:35:29: Ja!

00:35:29: Es ist tatsächlich eine Künstlerin am Werk bei uns im Garten momentan.

00:35:34: Moni Lohler... eine Künstlerin aus den USA, die schon längere Zeit in Berlin lebt.

00:35:41: Die eben zu Everybody eingeladen wurde und eingeladene neue Skulpturen zu entwickeln beziehungsweise eben in ihrer eigenen Art mit vielleicht auch den Skulptur umzugehen.

00:35:52: Und das ist ja auch immer schön dass wir sozusagen auch trotz der Einschränkung, die viele vielleicht auch sehen wollen sozusagen um Georg Kolbe herum Schaffende haben, die sich für ganz unterschiedliche Facetten interessieren.

00:36:07: Moni Lola entwickelt jetzt hier eben sehr haptische, sehr sinnliche Fragmente.

00:36:13: auch, die sie abnimmt – also sie spielt natürlich mit der Idee des Gusses, des Abnehmens, der positiv-negativen Formen und der Materialien.

00:36:24: Wie du schon gesagt hattest diese schaden Brancen oder Oberflächen an denen vielleicht einige Details nicht mehr zu erkennen sind werden durch dieses Heute, die Molyliola über sie legt noch mal ganz anders sichtbar.

00:36:38: Vor Kurzem, also gerade erst vor ein paar Wochen ist ja der Tänzerin Brunnen versteigert worden.

00:36:44: Er hat eine komplizierte Geschichte Ein jüdischer Auftraggeber der den Holocaust nicht überlebt hat, er ermordet wurde.

00:36:53: Es gab dann erst keine Restitutionen... Also es ist eine sehr komplizierte Geschichte!

00:36:57: Erst kürzlich restituiert und versteigert.

00:37:00: Ich war erstaunt wie teuer dieser Brunnen geworden ist.

00:37:03: Er hat fast fünf Millionen Euro gekostet also für Kolbe ein absoluter Auktionsrekord.

00:37:09: Nicht mal ansatzweise so teuer waren seine Skulpturen.

00:37:12: bisher Warst du traurig, dass er nicht hier geblieben ist?

00:37:16: Also ich glaube es ist... Wir müssen vielleicht erst mal sagen das für uns auch als Stiftung, als Museum.

00:37:25: Es ist eine Geschichte die tatsächlich sehr glücklich ausgegangen ist und wir sind froh, dass diese Rassitution geglückt hat!

00:37:32: Und für uns war es eben auch wirklich wichtig, weil dieses Projekt ist ja nichts, was aus dem Nichts gekommen ist.

00:37:41: Wir haben vor zwei Jahren angefangen, uns wirklich noch mal sehr intensiv mit den Brunnen zu beschäftigen und haben sehr viel gestaltige Projekte darum entwickelt.

00:37:50: auf der einen Seite natürlich die Provenienzforschung in der wir wirklich nochmal sehr tief reingegangen sind um zu sehen, was an diesen ganz unterschiedlichen Zeitpunkten immer wieder aufgetaucht ist, im Archiv.

00:38:06: Was da passiert ist wie man das auch einordnet einmal natürlich in einem Provenienzforschung aber auch natürlich die juristische Klärung, die wir angestoßen haben Und das ist sozusagen dieser zentrale Baustein gewesen, um den herum wir ganz unterschiedliche Projekte auch entwickelt haben.

00:38:25: Also wir haben ein fantastisches Projekt mit dem Thomas Mann-Gymnasium gehabt in dem Schülerinnen hier über einen Zeitraum von ich glaube zehn Monaten immer wieder ans Museum gekommen sind sich mit dem Brunnen beschäftigt haben uns eben auch einen Auftrag gegeben haben was dieser Brunnan für Sie bedeutet?

00:38:42: Was sie daraus ziehen können.

00:38:45: Grünzlerinnen, die eben auch eine Schreibpraxis haben eingeladen unterschiedliche Essays oder Textformen zu entwickeln.

00:38:52: Die eben in der Publikation The Fountain, die beim Distanzverlag erschienen ist im vergangenen Sommer zu entwickeln und hier noch mal ganz andere Sichtweisen auf diesen Brunnen zu werfen.

00:39:04: Wir haben mit der UDK und Kunst im Kontext, mit eben Kunstschaffenden und Studierenden, die sich ja auch mit vor allem Kunstvermittlungen und kreativer Kunstvermittlung auseinandersetzen Sommer auch ganz fantastische Projekte gehabt, die uns nochmal auf ganz andere Spuren geführt haben.

00:39:21: Wie mit diesen Brunnen überhaupt in dieser Zeit umzugehen ist?

00:39:26: Weil wir ja doch ganz unterschiedliche Schichten haben, die sich jetzt hier bei diesem Brunn aufeinander stapeln also im wahrsten Sinne das Wort.

00:39:33: Also wir haben natürlich ganz zentral diese antisemitische Objektgeschichte, die den Brunnan und auch natürlich diese Restitution maßgeblich prägen.

00:39:42: Wir haben aber Die Archivgeschichte, koloniale Motive.

00:39:46: Wir haben schwarze Trägerfiguren, die wir archiv zusammensetzen konnten.

00:39:51: Sie sind zurückzuführen eben auf Studien, die Kolbe schon in den Zinnerjahren auch geleistet hat von Schwarzen Modellen, die selbstverständlich durch koloniale Kontexte in Berlin anwesend waren.

00:40:03: und ganz obendrehnt haben wir diese nackte Tänzerin, die für die Kunstvermittlung immer wieder Fragen aufgeworfen hat weil natürlich auch Jünger generell... uns fragen, wie angemessen ist denn das noch dieses Motiv zu zeigen?

00:40:19: Und ich glaube in diesem Reigen auch von Projekten die wir initiiert haben um den Brunnen herum.

00:40:25: haben dieses Potenzial, was historische Objekte natürlich besitzen auch noch mal wirklich zum Vorschein.

00:40:32: Und für uns war diese Rückgabe und diese Rassitution eigentlich der zentrale Vorgang die wir ja mit der Familie gemeinsam gestaltet haben.

00:40:43: also das Museum muss man ja auch noch einmal dazusagen.

00:40:46: Das ist jetzt nichts aus der Mottenkiste gezogen habe sondern das Museum ist schon seit den achtziger Jahren in Kontakt mit den Nachfahren und wir haben sozusagen diesen letzten Schritt, der jetzt noch gefehlt hatte realisiert.

00:41:04: Und alles was sozusagen dann der Markt, den Markt bestimmt das ist natürlich nicht unbedingt in meiner Hand und auch nicht unbedingt auch für das Museum relevant.

00:41:15: in diesem Sinne möchte ich mal sagen Das sind natürlich immer die Schlagzeilen, die es gibt also wenn natürlich Objekte Objekte mit Werten besetzt werden.

00:41:28: Aber das ist natürlich für mich persönlich auch noch mal, also verhalte ich mich auch ganz anders eben zu einer Wertigkeit von Kunst, Kunstobjekten und ein Markt verhält sich dann natürlich auch nochmal ganz anders.

00:41:41: Also im Gespräch mit dir merke ich einfach wie spannend Kunstgeschichte ist und wie viele Facetten-Kunstgeschichte hat?

00:41:48: Es ist einfach unendlich viel Stoff da!

00:41:53: so viel zu sehen und zu erforschen und zu fördern, dass ich denke uns Kunsthistorikerinnen kann gar nicht langweilig werden.

00:42:02: Nein also langweillig wird es auf keinen Fall weil wir uns ja immer wieder... Und das ist auch das spannende an der Kunstgeschichte als Gesellschaftswissenschaft natürlich wie sich auch verhalten werden kann eben aus einem jetzigen also in einer jetzigen gesellschaftlichen Situation heraus sich eben natürlich mit Vergangenheiten zu beschäftigen, die auch noch nicht vollständig ausdiskutiert sind und zu denen selbstverständlich auch nochmal ganz andere Stimmen eingeladen werden sollten.

00:42:40: Die eben keine Stimmarten!

00:42:42: Und das ist mir natürlich auch ganz wichtig als Kunsthistorikerin, als Kulturwissenschaftlerin, auch gerade in gesellschaftliche Debatten, ein gesellschaftliches Miteinander.

00:42:58: Und ich denke wir wollen ja alle einfach gut miteinander eine Zukunft gestalten wie man Orte schaffen kann dafür ob das jetzt ein Parvillon ist oder ob das das Museum ist an dem auch solche Begegnungen stattfinden können eben von Menschen die vielleicht unterschiedlicher Meinung sind ganz unterschiedlich gepackten Rucksack dabei haben.

00:43:24: Aus Erinnerung, aus Überlegungen, aus Begegnungen mit Kunst, mit anderen Menschen, mit Geschichte und diese Orte eben aber auch als Orte der Verständigung verstehen, aber auch eben als Ort des Diskurses an dem dieser Diskurs auch auszuhalten ist und stattfinden kann und muss weil wir ja auch sehen wie... in anderen Bereichen einfach diese Verengung der Diskursräume auch aktiv betrieben wird, um solche Orte zu verunmöglichen.

00:43:54: Um uns vielleicht zu suggerieren dass es keinen gesellschaftlichen Dialog gibt was überhaupt nicht der Fall ist und ich glaube gerade dieses sich annähernden Umkunft um Fragen, die Kunst immer wieder stellt.

00:44:10: Das ist ein ganz, ganz wichtiges Gut, dass wir hier natürlich in Deutschland auch noch haben und das eben auch noch unterstützt wird – aber was natürlich ein ganz integrativer Teil von Demokratien ist und sein muss!

00:44:33: Wenn du eine Zeitreise machen könntest, wohin und in welche Zeit würdest du gerne reisen?

00:44:39: Wir waren ja tatsächlich bei Venedig und diesen Venedigmotiv.

00:44:45: Ich erfreue mich dann doch immer wieder an... Fotografien und beniedigt ab den späten vierziger Jahren bis in die achtziger Jahre hinein, aber generell mit meines Jahrhunderts.

00:45:00: Das zwanzigste Jahrhunderte!

00:45:01: Aber man muss ja immer auch dazu sagen als Frau bin ich schon sehr froh im einundzwanzigsten

00:45:06: Jahrhunder zu leben.

00:45:10: Was ist dein wichtigstes Werkzeug?

00:45:12: Die Stille und die Unterhaltung?

00:45:15: Wenn du ein Tier wärst, welches Tier wäre das?

00:45:17: Ich kann da überhaupt nicht sagen was für ein Tier ich gerne wäre.

00:45:22: Weil es wirklich so viele wunderbare Tiere gibt und wir natürlich hier im Kolbe Museum auch immer Besuch haben im Garten.

00:45:31: also wir haben Füchse Wir haben Eichhörnchen die vorbeikommen ja vielleicht ein Fuchs.

00:45:40: Welches

00:45:41: Spiel spielst Du gerne?

00:45:42: Und natürlich der Klassiker Uno, in dem man ja wirklich mit groß und klein in allen möglichen Situationen spielen kann.

00:45:50: Was ist deine Lieblingsfarbe?

00:45:53: Das ist eine sehr schwierige Frage genauso schwierig wie... was ist deine

00:45:58: lieblingskunst?

00:46:00: Ich bin die Farbe!

00:46:02: Das Spektrum

00:46:03: ist doch schon

00:46:04: sehr breit aber

00:46:05: ich liebe Grün.

00:46:08: Jetzt seit dem Pavillon oder schon vorher?

00:46:11: Nein, schon vorher auf jeden Fall.

00:46:13: Und das ist ja auch

00:46:14: ein ganz bestimmtes Grube.

00:46:16: Hast du einen wiederkehrenden Traum?

00:46:19: Ich habe keinen wiederkehrenden Traum aber ich glaube doch ein wenig an

00:46:25: Fügung

00:46:26: auf eine gewisse Art und Weise.

00:46:28: Ich hab tatsächlich immer wieder wenn ein Déjà-vu passiert – und das ist gar nicht so unoft.

00:46:34: bei mir fühle ich mich bestätigt, sozusagen den Entscheidungen die getroffen wurden.

00:46:43: Genau jetzt am richtigen Ort zu sein.

00:46:45: Hörst du Musik beim Arbeiten?

00:46:47: Beim Arbeiten höre ich tatsächlich nicht ganz so viel Musik doch wenn es ein bisschen so Deep Work Phase ist und ich schreibe wozu ich leider nicht so oft komme höre Ich sehr schön Monika Kruse Mixe Die wirklich sehr gut funktionieren für so etwas.

00:47:09: Zu welchem Thema würdest du dir einmal eine ganze Ausgabe der Weltkunst wünschen?

00:47:14: Als Spezialausgabe wäre es natürlich schön, auch die figurative Skulptur mal in der Weltkunft vielleicht noch ein bisschen zu Highlighten und... und vielleicht auch den Verlauf der Entwicklung noch mal nachzuvollziehen.

00:47:34: Das könnte ich mir sehr gut vorstellen für die Weltkunst.

00:47:36: Gute Idee!

00:47:38: Meine letzte Frage, kannst du eine große oder kleine Lebensweisheit teilen?

00:47:44: Ja, also ich glaube ich würde jetzt so ein bisschen paraphrasieren auch von Toni Morrison die immer wieder auch darauf verwiesen hat dass egal wie schwierig auch Situationen vielleicht erscheinen mögen und wie unmöglich eine Lösung herbeizuführen scheint.

00:48:04: Es doch immer ganz wichtig ist bei sich zu bleiben und in jedem Moment die schönsten Begegnungen auch zwischen Menschenbegegnung zu fördern.

00:48:16: Vielen, vielen Dank!

00:48:18: Der Podcast Was macht die Kunst entsteht in Partnerschaft mit Volkswagen Group Culture als Partner der neuen Nationalgalerie ermöglicht Volkswagen Group culture an jedem ersten Donnerstag im Monat freien Eintritt

00:48:31: zu einem

00:48:31: Art Live-Event.

00:48:33: Hinweise zu den nächsten Veranstaltungen findet ihr auf Instagram im Kanal von Volkswagen

00:48:37: Group Culture,

00:48:38: der neuen Nationalgalerie und unter

00:48:41: smb.museum.

Über diesen Podcast

„Was macht die Kunst?“ Das fragt sich WELTKUNST-Chefredakteurin Lisa Zeitz ab sofort einmal im Monat im WELTKUNST-Podcast.

von und mit Weltkunst

Abonnieren

Follow us